2004 - HP Velotechnik Speedmachine

 

Im Mai 2011 zeigt der Tacho der Speedmachine 13'800 absolvierte Kilometer, mehr als ich jemals mit einem anderen meiner Velos gefahren bin. Die Speedmachine ist auch das Rad, dass ich bisher am längsten gehalten habe und bei dem ich nach wie vor keinerlei Verkaufsgelüste verspüre. Im Gegenteil, auch wenn sich in den letzten Jahren das Trike in den Vordergrund geschoben hat, so geniesse ich die Fahrten mit der Speedmachine immer noch sehr. Und dieses Jahr möchte ich das Rad auch wieder verstärkt als Reiserad nutzen.

Die Speedmachine war damals, als ich es im Jahre 2004 erstand, mein erstes völlig zweckfreies Lustobjekt. "Zweckfrei" deswegen, weil das Rad nicht den Kriterien eines Reiserades genügen musste, wie alle meine vorher angeschafften Bikes - es war erstmal lediglich zum flotten Lustwandeln gedacht. Mit der Streetmachine GT hatte ich ja im Frühjahr desselben Jahres schon meine ultimative Reisekutsche gefunden. Dass die Speedmachine dann allmählich aber doch vom Feierabendtourer zum Reisegefährt avancierte und lange Zeit hierfür die erste Wahl war, konnte ich damals nicht voraussehen, zumindestens war das erst mal so nicht geplant. Aber dieses Rad hat eben dann doch schnell die SMGT verdrängt. Zuerst im Alltag und schliesslich auch auf Reisen, was 2007 (leider) zum Verkauf meiner SMGT geführt hat.

Fast 14'000 Kilometer Speedmachine - ich denke, es ist Zeit für einen Langzeiterfahrungsbericht.

Ausstattung:
Die Speedmachine wurde damals als Basismodell erworben und war ausgestattet mit dem UDK-Lenker, 27-Gang-Kettenschaltung mit Shimano Deore Schaltwerk, Tiagra Umwerfer und Sram Drehschaltgriffen, mechanischen Scheibenbremsen Tektro I/O und Schwalbe Stelvio Slicks. Nach den ersten paar Ausfahrten kamen noch Schutzbleche und Gepäckträger hinzu.

Verschleiss und Nachrüstungen:
-
Sram Drehschaltgriffe (die Griffgummis waren nach 10'000 Kilometern total hinüber).
-
Das hintere Schutzblech brach nach etwa 1 - 2 Jahren und wurde durch ein MTB Steckschutzblech ersetzt.
-
Vorne wurde 2006 ein kleineres kleines Kettenblatt montiert, um steilere Anstiege erklimmen zu können.
-
Der Lenker wurde durch einen neuen ersetzt, da das Rad einmal mit Gepäck umgefallen und direkt auf den Lenker gefallen war und dieser dabei eingebogen wurde.
-
Die Tektro I/O Bremsen wurden durch AVID BB7 ersetzt - die Funktionalität der AVIDs ist einfach um Längen besser.
-
Im Frühjahr 2011 neue Ritzel, Kette und mittleres Kettenblatt.
 

Die Pneus:
Ursprünglich waren Schwalbe Stelvios montiert. Als das Rad mehr zum Reiserad mutierte, hab ich hinten einen Schwalbe Marathon Plus und vorne weiterhin den Stelvio gefahren. Nachdem später das schwarze Flux als Reiserad angeschafft wurde, mutierte die Speedmachine wieder Spassgerät für flotte Tagestouren und Schwalbe Marathon Slicks wurden aufgezogen. Momentan sind 40er Schwalbe Marathons montiert (die vorne zu breit sind und mit dem Schutzblech kollidierten, deswegen ist das vordere Schutzblech im Augenblick durch einen MTB-Spritzschutz ersetzt).

Fahr- und sonstige Eindrücke:
Das Handling mit dem UDK-Lenker war schon gleich von Anfang an sehr gut und intuitiv, das Fahren mit dem Rad war viel leichter zu lernen als bei meiner SMGT mit Untenlenker. Die Federung arbeitet gut, ist relativ straff und harmoniert prima mit meinem Körpergewicht. Der Prä-Bodylink-Ära-Schalensitz passt gut zu meiner Körpergrösse und ist nach wie vor sehr komfortabel.

Das Rad ist bei geringen Geschwindigkeiten - besonders auch mit dem Gewicht der Packtaschen, die das Vorderrad dann etwas entlasten - etwas nervös, jedoch gut beherrschbar. Der Lenker ist für mich sehr bequem, auch auf längeren Strecken. Die bei UDK-Lenkern oft genannte Anstrengung, die es braucht, um die Hände nach vorne auf den Lenker zu strecken, hat sich bei mir nicht gezeigt - und ich bin wirklich sehr sensibel, was diverse ergonomische Problemchen mit den Händen oder Armen anbelangt. Das Rad war von Anfang an komfortabel. Lediglich auf meiner Tour von Münster nach Stein am Rhein (2008) hatte ich mal so eine Anwandlung und das Bedürfnis, die Arme mal nur nach unten auf einen Untenlenker fallen zu lassen. Doch damals hab ich wohl insgeheim nach Argumenten gesucht, um vor mir selber den Kauf eines neuen untengelenkten Liegerades zu rechtfertigen - denn der überstürzte Verkauf meiner SMGT machte mir wirklich zu schaffen. Jedenfalls ist dieses Phänomen bis jetzt nicht mehr aufgetaucht.

Ein anderes Phänomen, das ab und zu mal auftaucht, sind die eingeschlafenen Füsse. Das hat wohl mit der Tretlagerüberhöhung zu tun, denn bei meinen anderen Rädern kommt das nie vor. Ein wirkliches Problem ist das nicht und in solchen Situationen genügt es, kurz mal aufzustehen. Auf Tour macht man ja eh immer wieder mal die ein oder andere Pause, fotografiert, erledigt diverse Geschäftchen, etc.

Anfangs hat mich das ungewohnte Geschwindigkeitspotential der Speedmachine schier überwältigt. Ich war ja meine behäbigen Reisegurken und Trekkingräder gewohnt, bei denen Geschwindigkeit kein Thema war. Doch jetzt auf einmal das! Auf den ersten Touren mit den Schwalbe Stelvios konnte ich es gar nicht glauben und hab erst mal die Tachoeinstellung nachgeprüft, ob die nicht vielleicht nicht richtig programmiert war und es deswegen zu falscher Anzeige käme. Aber nein, das Rad ist wirklich flott. Heutzutage sehe ich das mit dem Geschwindigkeitspotential natürlich anders, die Erfahrungen mit dem Baron und seit kurzem mit dem Klein Quantum relativieren die damaligen Wahrnehmungen etwas. Trotzdem, obwohl im Vergleich der Baron leichter und damit vor allen Dingen auch bergauf schneller war, erreichte ich mit der Speedmachine im Endeffekt die besseren Durchschnitte. Das lag einfach daran, dass die Vollfederung der SPM auf den von mir gefahrenen Wegen höhere Geschwindigkeiten zulässt und ich nicht wegen jeder Fahrbahnunebenheit bremsen muss, wie es der Baron erforderte (mit dem Baron hätte ich beinahe einmal den Boden geküsst, als das Vorderrad bei einer Bodenwelle plötzlich keinen Kontakt mehr zur Fahrbahn hatte). Und ein Vergleich mit dem Aufrecht-Rennrad hinkt sowieso, denn das ist eh eine andere Kategorie Fortbewegungsmittel, und die Speedmachine ist ja kein Renn- sondern ein schnelles Tourenrad und doppelt so schwer.

Kurz noch zurück zu den Vorteilen des UDK-Lenkers: auf Reisen macht sich sehr positiv das leichte Auf- und Absteigen bemerkbar. Bei meinen Untengelenkten (inkl. Trike) ist das immer etwas umständlich, hier bei der Speedmachine jedoch absolut bequem. Auch lässt sich das Rad bergauf recht gut schieben, was ich jetzt erst wieder festgestellt habe. Und was das Reisen mit der Bahn anbelangt: durch die Position des Lenkers lässt sich das Rad gut in einer Reihe mit anderen (Aufrecht-)Rädern stapeln - was ich beim Flux S800 schon anders erlebt habe, da ist der Lenker nämlich genau in der Position, wo sich bei Aufrechträdern das Tretlager befindet und das passt dann nicht so gut.

Kritikpunkte:
- Die Verlegung der Züge unten am Vorbau ist nur suboptimal gelöst. Bei meiner Körpergrösse berühre ich mit den Unterseiten der Oberschenkel jedes Mal leicht die Bowdenzüge. Ist zwar nicht wirklich problematisch, trotzdem irgendwie ein Schönheitsfehler. Leider hab ich selber keine Idee, wie man das besser lösen könnte bzw. ich hab mich auch in all den Jahren noch nicht ernsthaft damit befasst - daran sieht man, dass es nicht wirklich schlimm ist.
- Der Gepäckträger: wie bei allen schwarzen Gepäckträgern wetzt sich der schwarze Lack schnell durch und der Träger wird dadurch hässlich - auch wenn der Rest des Velos noch super aussieht. Silber- bzw. metallfarbene Gepäckträger würden das Problem lösen und wären optisch eventuell sogar eine Bereicherung.
- Nochmal zum Gepäckträger:Meine alten Ortliebs Baujahr '94 passten nur mit äusserster Mühe und Not an das kurze waagerechte Auflagerohr des Trägers. Erst meine neuen Ortliebs passen perfekt, da sich hier die Haken weiter verschieben lassen.
- Die zur Verfügung stehenden Rahmenfarben bei HP Velotechnik. Das ist eigentlich eher eine Geschmacksfrage denn ein Kritikpunkt, und in letzter Zeit hat sich ja mit den beiden Farbvarianten des Gekkos und dem Blaugrau des Scorpion FS einiges getan. Irgendwie wäre es schön, wenn die Farben für alle HP Velotechnik Räder zur Verfügung stünden.

Man sieht schon, meine Kritikpunkte sind wirklich nicht so gravierend - für mich ist die Speedmachine wirklich ein gelungenes Rad. Und waren die Jahre 2007 bis 2010 die Jahre des Scorpions, so rufe ich hiermit das Jahr der Speedmachine aus...

Oktober 2011. Mittlerweile hat die Speedmachine Kojaks (Slicks) verpasst bekommen und die Tourenschlappen, die ich ihr im Frühling spendierte, sind auf die Streetmachine GTe gewandert. Der Reifentausch hat beiden Rädern gut getan.