Von Anno dazumal bis 1994 - Prähistorische Zeiten

 

Wann bekam ich das allererste Velo, ein Kinderrad mit Stützrädern, von meinem Onkel vererbt? Mit fünf? Oder etwa doch schon mit vier? Ich weiss nur noch, dass es rot angemalt und an meine Schwester weiter gegeben wurde, als ich endlich das Bonanzarad mit der Torpedo-3-Gang-Schaltung bekam - die Nachbarsjungen flitzten schon seit Wochen mit ihren eigenen herum, und ich konnte nur neidisch zusehen. 14 war ich dann wohl, als mein damaliger Traum, ein blaues 10-Gang-Rennrad (für sage und schreibe 235,- DM!) endlich wahr wurde. Die Mittelzufelgenbremsen waren so ungewohnt für mich, dass ich am zweiten Tag den Reifen durchbremste, als das Hinterrad bei einer Vollbremsung blockierte...

Die anschliessende Lebensphase, in der man unbedingt motorisiert sein musste, weil man sich damit halbstark oder erwachsen fühlte, ging natürlich auch an mir nicht vorbei und so stand, nachdem ich mein Mofa verschlissen und sich die Anfangseuphorie als Autofahrer gelegt hatte, erst in meiner Studentenzeit wieder ein mehr oder minder fahrbereites Velo für die Kurzstrecken in der Münchner Innenstadt bereit. Ich weiss noch wie mir damals eine Freundin ein schwarzes Herrenrad schenkte, einen Ein-Gänger mit Rücktrittsbremse, und ich später mal von einer Arbeitskollegin ein Victoria-Damensportrad aus den 50er Jahren übernahm. Irgendwann, es muss Ende der achtziger Jahre gewesen sein, wollte jemand im Freundeskreis ein silberfarbenes Herrensportrad mit der stolzen Aufschrift "Deluxe" loswerden und das kam mir gerade recht. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mir jemals Gedanken über die Qualität der Bauteile und Komponenten oder der Sitzposition gemacht hätte. Die Velos unterschieden sich für mich nur in der Anzahl der Gänge: teure Räder boten 10 Gänge, billigere besassen eine Nabenschaltung und Rücktrittbremse. Punkt
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In all den immer noch vom Auto geprägten Jahren wuchs aber trotzdem ganz langsam und klammheimlich ein Gefühl für die Praktikabilität und Genialität des Fahrzeuges Fahrrad. Vermutlich hatte meine Mutter daran grossen Anteil, denn sie entdeckte als "Führerscheinlose" plötzlich ihre eigene Mobilität und konnte mit dem Rad ihre Wege auf einmal bequemer und einfacher zurücklegen, was sie immer öfter in Unterhaltungen thematisierte. Mit dem Kauf eines Neu-Rades war ich zum ersten Mal anlässlich eines runden Geburtstages meines Vaters konfrontiert, denn dieser sollte nun auch, zumindestens teilweise, vom Vier- auf's Zweirad umsteigen. Plötzlich kam ganz unverhofft eine Lawine ins Rollen...

1994 ist das Jahr der ersten Radreise und die Fahrt entlang der Donau - gewissermassen die Mutter aller Radreisen - absolviere ich mit dem silbernen "Deluxe"-Rad. Der Gepäckträger dieses Rades ist bestimmt für alles Mögliche ausgelegt, nur nicht für Reisen mit reichlich Zuladung, und der Übersetzungsbereich der 10-Gang-Schaltung lässt besonders in den leichten Gängen zu wünschen übrig. Als wirklich gemeingefährlich stellen sich allerdings die Felgenbremsen heraus: bei einer längeren Abfahrt im Regen ist es mir schlichtweg nicht möglich, das bepackte Rad zum Stehen zu bringen! So was prägt sich einem ein! Und wie! Auch die Packtaschen, die ich recht billig bei Tch**o oder Ed****o erstehe, stellen nicht das Mass aller Dinge dar: sie sind nicht wasserdicht (natürlich) und das Auf- und Abmontieren gestaltet sich zur umständlichen Prozedur, die jedesmal für schmutzige Finger sorgt. Anfangs nehme ich das als gegebene Begleitumstände hin und denke nicht weiter darüber nach, aber allmählich beginne ich mich dann doch mit der Materie zu beschäftigen und der Wunsch nach einer geeigneteren Ausrüstung wächst proportional zu meiner Reiselust.