2010 - Klein Quantum

 

Wer sich schon mal meine Fahrradhistorie durchgelesen hat, der mag wohl mit allem möglichen gerechnet haben, nur nicht damit, dass ich mir jemals ein Rennrad kaufen würde (und wenn schon, dann ein Rennliegerad, wie ich es mit dem Baron schon mal hatte). Ich selber rechnete übrigens auch nicht damit. Und doch ist es passiert. Man kann ja auch mal von sich selber überrascht sein...

Wie kam's dazu? Nun, auf einer meiner Lieblingstouren komme ich regelmässig an einem Radgeschäft vorbei, und in eben diesem Laden war seit letztem Januar ein Flitzer mit einer faszinierenden Lackierung ausgestellt, die, je nach Lichteinfall, von Violett über Blau nach Gold schimmert. Im Laufe der Monate hatte ich das Rad richtig lieb gewonnen, bin jedesmal vor dem Schaufenster stehen geblieben und habe mir die Nase daran platt gedrückt. Wirklich ein schönes Rad! Nur hatte es eben den Nachteil, dass es kein Liegerad war. Mist. Irgendwann während dieses Sommers muss wohl in meinem Unterbewusstsein ein Gesinnungswandel stattgefunden haben, denn allmählich sind mir die vielen Rennvelofahrer in meinem "Revier" zum ersten Mal so richtig aufgefallen, ich hab deren Bikes auch zum ersten Mal wahrgenommen und gemustert. Plötzlich war es gar nicht mehr ganz so abwegig, dass ein Upright wieder mal meinen Fuhrpark ergänzen könnte.

Und dann geschah es: "mein" Rad wurde neulich um die Hälfte imPreis reduziert, da es einige Lackschäden auf der Unterseite des Oberrohres hat und aus den Jahren 2003 oder 2004 stammt...und...naja...plötzlich bin ich Besitzer eines Rennrades. Posieren kann ich schon, wie man rechts sieht, fahren lernen muss ich dagegen noch, denn ich bin seit sieben Jahren auf keinem Upright mehr gesessen. Da merkt man plötzlich wieder, dass der Mensch auch noch einen Allerwertesten und Handgelenke hat, die schmerzen können. Da muss man sich wieder dran gewöhnen.

Erfahrungswerte folgen....

...hier zum Beispiel, nach etwa 300 gefahrenene Kilometern: Ein gepamperte Velohose und Velohandschuhe bringen in Bezug auf den Fahrkomfort durchaus eine gewisse Erleichterung. Die ungewohnte Sitzposition kommt mir nicht mehr ganz so absonderlich vor. Auch Veloschuhe / Clickpedale sind für mich eine neue Erfahrung, aber das klappt schon ganz gut.

Wie fährt sich so ein Rennrad nun? Erstaunlich effektiv! Man kommt schnell auf Tempo, muss nicht gleich bei jeder kleinen Steigung schalten, sondern kann selben Gang einfach aus dem Sattel gehen und dabei mehr Kraft auf die Pedale bringen. Es ist wendig, leicht und spritzig. Doch: Breitwandkino wie mit den Liegen ist nicht! Man sitzt zwar weiter oben und hat eine andere, manchmal durchaus bessere Übersicht, der entspannte Genuss fehlt aber. Vielleicht kommt das noch, wer weiss. Generell macht's mir erstmal Spass - und für längere Touren hab ich ja meine Liegeräder.

400 Kilometer / Mai 2011: Beschwerden im Nacken, den Handgelenken und dem Allerwertesten habe ich bei 40 - 50 Kilometer langen Touren halbwegs im Griff. Mühe macht mir das Fahren mit der unteren Griffposition des Lenkers, doch nur hier kann ich die Bremsgriffe optimal bedienen. Habe mich dazu entschlossen, mich vom Rennlenker zu verabschieden und auf einen anderen Lenker umzurüsten. Wenn ein bald 50-jähriger plötzlich Rennrad fahren will, so geht das nicht so einfach wie bei einem viel jüngeren Menschen. Wenn dieser Herr mittleren Alters aber die letzten Jahre nur Liegeräder gefahren hat, so ist das nochmal was anderes.