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Wer sich schon mal meine Fahrradhistorie durchgelesen hat, der mag wohl
mit allem möglichen gerechnet haben, nur nicht damit, dass ich mir
jemals ein Rennrad kaufen würde (und wenn schon, dann ein Rennliegerad,
wie ich es mit dem Baron schon mal hatte).
Ich selber rechnete übrigens auch nicht damit. Und doch ist es passiert.
Man kann ja auch mal von sich selber überrascht sein...
Wie kam's dazu? Nun, auf einer meiner Lieblingstouren komme ich regelmässig
an einem Radgeschäft vorbei, und in eben diesem Laden war seit letztem
Januar ein Flitzer mit einer faszinierenden Lackierung ausgestellt, die,
je nach Lichteinfall, von Violett über Blau nach Gold schimmert.
Im Laufe der Monate hatte ich das Rad richtig lieb gewonnen, bin jedesmal
vor dem Schaufenster stehen geblieben und habe mir die Nase daran platt
gedrückt. Wirklich ein schönes Rad! Nur hatte es eben den Nachteil,
dass es kein Liegerad war. Mist. Irgendwann während dieses Sommers
muss wohl in meinem Unterbewusstsein ein Gesinnungswandel stattgefunden
haben, denn allmählich sind mir die vielen Rennvelofahrer in meinem
"Revier" zum ersten Mal so richtig aufgefallen, ich hab deren
Bikes auch zum ersten Mal wahrgenommen und gemustert. Plötzlich war
es gar nicht mehr ganz so abwegig, dass ein Upright wieder mal meinen
Fuhrpark ergänzen könnte.
Und dann geschah es: "mein" Rad wurde neulich um die Hälfte
imPreis reduziert, da es einige Lackschäden auf der Unterseite des
Oberrohres hat und aus den Jahren 2003 oder 2004 stammt...und...naja...plötzlich
bin ich Besitzer eines Rennrades. Posieren kann ich schon, wie man rechts
sieht, fahren lernen muss ich dagegen noch, denn ich bin seit sieben Jahren
auf keinem Upright mehr gesessen. Da merkt man plötzlich wieder,
dass der Mensch auch noch einen Allerwertesten und Handgelenke hat, die
schmerzen können. Da muss man sich wieder dran gewöhnen.
Erfahrungswerte folgen....
...hier zum Beispiel, nach etwa 300 gefahrenene Kilometern: Ein gepamperte
Velohose und Velohandschuhe bringen in Bezug auf den Fahrkomfort durchaus
eine gewisse Erleichterung. Die ungewohnte Sitzposition kommt mir nicht
mehr ganz so absonderlich vor. Auch Veloschuhe / Clickpedale sind für
mich eine neue Erfahrung, aber das klappt schon ganz gut.
Wie fährt sich so ein Rennrad nun? Erstaunlich effektiv! Man kommt
schnell auf Tempo, muss nicht gleich bei jeder kleinen Steigung schalten,
sondern kann selben Gang einfach aus dem Sattel gehen und dabei mehr Kraft
auf die Pedale bringen. Es ist wendig, leicht und spritzig. Doch: Breitwandkino
wie mit den Liegen ist nicht! Man sitzt zwar weiter oben und hat eine
andere, manchmal durchaus bessere Übersicht, der entspannte Genuss
fehlt aber. Vielleicht kommt das noch, wer weiss. Generell macht's mir
erstmal Spass - und für längere Touren hab ich ja meine Liegeräder.
400 Kilometer / Mai 2011: Beschwerden im Nacken, den Handgelenken und
dem Allerwertesten habe ich bei 40 - 50 Kilometer langen Touren halbwegs
im Griff. Mühe macht mir das Fahren mit der unteren Griffposition
des Lenkers, doch nur hier kann ich die Bremsgriffe optimal bedienen.
Habe mich dazu entschlossen, mich vom Rennlenker zu verabschieden und
auf einen anderen Lenker umzurüsten. Wenn ein bald 50-jähriger
plötzlich Rennrad fahren will, so geht das nicht so einfach wie bei
einem viel jüngeren Menschen. Wenn dieser Herr mittleren Alters aber
die letzten Jahre nur Liegeräder gefahren hat, so ist das nochmal
was anderes.
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