| Juni/July
2003 - Mit dem Automobil in die Bretagne!! ...denn wir können auch anders... |
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Eingedenk
meiner erst kürzlich glücklich überstandenen Veloreise
und der Tatsache, dass unser Sommer mit meiner Ausstellung und Margrit's
Asienreise sozusagen zerstückelt wird, gönnen wir uns mal einen
etwas anderen, für uns ungewohnten Reisegenuss: wir mieten uns nämlich
eine Ferienwohnung! Und zwar in der Bretagne! Und zwar genau da, wo wir
letztes Jahr am Ende unserer Loire-Reise nicht mehr hingelangten, nämlich
auf der westlichen Seite des Golfe du Morbihan! Und zwar in Carnac Plage!
Und zwar direkt am Strand! Und die Anreise wird mit einem Leihauto bewerkstelligt!
So ist es nämlich dem Autor dieser Zeilen vergönnt, seine Fahrpraxis
als motorisierter Verkehrsteilnehmer wieder aufzufrischen und zudem können
ausser den Velos auch noch ein paar grosse Bögen Aquarell-Papier,
Farben und eine Gitarre mitreisen... |
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Am nächsten
Tag erreichen wir nach ebenfalls unspektakulärer Autobahnfahrt unseren
Bestimmungsort und nach Erledigung der wohl üblichen Formalitäten
im Immobilienbüro beziehen wir unsere Wohnung direkt hinter den Dünen.
Das Wetter ist immer noch ungewöhnlich warm und trocken, abends am
Strand bleibt es hell bis etwa 23:00 Uhr und das Meer ist spiegelglatt. |
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| Die
Halbinsel Quiberon - ein paar Kilometer westlich - ist bekannt für
seine zerklüfteten Westküste. Klippen, Sand, rundgeschliffene
Steine, Brandung und Wind. Ein kleines Strässlein führt oben entlang
und Parkbuchten erlauben immer wieder mal einen Blick auf die Szenerie.
Die Surfer scheinen das hier als Schlaraffenland zu empfinden. Uns ist es
zum ersten Mal seit relativ langer Zeit richtig kalt: ein Wettereinbruch
hat den heissen Sommer vertrieben und auf der Rückseite der Kaltfront
weht ein kräftiger Wind. Dieser Wind wird uns nun ein ständiger Begleiter sein. Das Wetter bessert sich zwar zusehends, wir haben fast Badewetter, aber dieser Wind macht es uns fast unmöglich, mit dem dem Velo unterwegs zu sein. So wechseln wir einfach den fahrbaren Untersatz und gehen mit dem Auto auf Exkursion. |
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| Gavrinis,
eine kleine Insel, im Golfe Du Morbihan gelegen und nur im Sommer und auch
nur mit dem Boot zu erreichen. Auf dem kleinen Eiland befindet sich die
am besten erhaltene prähistorische Grabstätte in der Bretagne:
ein schmaler Gang der sich zu einer kleinen, runden Kammer erweitert, Wände
und Decke aus massiven Granitplatten mit eingravierten Linien und Symbolen.
Darüber wölbt sich ein riesiger Erdhügel. Um auf die Insel zu kommen, fahren wir nach Larmor-Baden, an der Nordseite des Golfes gelegen. Auf der Hinfahrt bietet sich ein Besuch des Städtchens Auray an, dass mit einer gut erhaltenen mittelalterlichen Altstadt aufwarten kann. Natürlich wird das alles touristisch aufbereitet: ein historisches Segelboot ist fest im Hafen vertäut und ist zum Souvenirladen umfunktioniert worden, Crêperien und Galerien, Restaurants und Bar's weisen darauf hin, dass zumindestens im Sommer allerhand Besucher erwartet werden. In Larmor-Baden geht dann erstmal nichts mit der Überfahrt nach Gavrinis, alle Fahrten sind für den heutigen Tag ausgebucht, wir reservieren uns also zwei Plätze für den übernächsten Tag. Schlimm ist das nicht, weil mir die Gegend hier ausnehmend gut gefällt und ich gerne ein zweites Mal herfahre. Auf der Rückfahrt nach Carnac besteigen wir noch kurz den mitten im Dorf gelegenen Tumulus St. Michel und bewundern die Aussicht über die gesamte Bucht. Und Abends finden wir uns in unserer Stammkneipe ein, dem "Baobab", von dessen Terasse aus wir das Treiben auf der Strasse beobachten. |
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| Zum verabredeten Zeitpunkt sind wir wieder in Larmor-Baden und setzen mit ca. 30 anderen Interessierten in einem kleinen Ausflugsboot auf Gavrinis über. Niemand anderes darf die Insel betreten und das Arreal wird hinter uns abgeschlossen. Auch hier - wie bei den Alignements in Carnac oder im prähistorischen Museum, dem wir später einen Besuch abstatten - versucht sich die Fremdenführerin in Interpretationsversuchen, traut sich Erklärungen der in Granit gemeisselten Symbole zu, will hier eine Muttergottheit, dort einen Pflug und drüben Ähren einer Getreideart erkennen. Plötzlich stelle ich fest, dass das für mich eigentlich gar keine Bedeutung hat. Mich würden eher die Einzelschicksale interessieren, welche Charaktereigenschaften hatten diese Menschen? Wie waren die Regeln ihres Zusammenlebens? Hatten sie dieselben sozialen Probleme wie wir oder waren sie freier? | ||||||||||
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Zur Sommersonnwende gibt es ein "Fest-Noz", ein Fest mit Live-Musik, Johannis-Feuer und Bewirtung. Auf einem grassbewachsenen Platz hat man gleich zwei Bühnen aufgebaut, einige Bierzelt-Tische, einen Würstchen-Grill und einen Bier-, Cidré und Wein-Ausschank. Keine Ahnung, ob das alles jetzt für uns Touris inszeniert wird oder nicht, jedenfalls findet sich allmählich jung und alt hier ein und noch bevor es dunkel wird, tanzen 3 oder 4 Generationen gleichzeitig zu bretonisch-keltischen Weisen, sich im Kreis an den Händen haltend. Auch uns hält es nicht auf den Stühlen und wir mischen uns mit unters Volk, auch wenn uns die Tanzschritte unbekannt sind. Später trennt sich dann ein bisschen die Spreu vom Weizen, als sich zwei junge Paare dazu gesellen, die wohl von einer Profi-Tanzgruppe kommen: der Volkstanz beginnt allmählich "sophisticated" zu werden und es schaut bald nach Michael Flatley oder Riverdance aus. Schön anzusehen! Die Stimmung ist gut und der Wein ist preiswert und ich hab schon lange keinen so ungezwungenen und ausgelassenen Abend mehr erlebt. An einem wolkenverhangenem Tag fahren wir nach Locmariaquer, dem kleinen Ort direkt gegenüber von Port Navalo, dem Endpunkt unserer letztjährigen Veloreise. Wir erinnern uns nochmal an den grossen Frust, als wir letztes Jahr keine Fähre mehr fanden, die uns samt Velos übergesetzt hätte. Jetzt hat sich natürlich alles relativiert und wir geniessen den Blick auf die kleine Stadt auf der anderen Seite und auf die von der Ebbe freigelegten Muschelbänke, auf der sich eifrige Muschelsucher ihr Abendessen zusammensuchen. |
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| Wieder
ein windiger, fast schon stürmischer Tag. Wir beschliessen, mal ein
paar Kilometer Richtung Westen zu fahren und die Gegend dort zu besichtigen.
In Hennebont gibt's einen Kaffee und in Port Louis ein Döner, und auf
der Rückfahrt machen wir einen Abstecher nach St. Cado, einem kleinen
Dorf auf einer Insel mitten im Ria d'Etel, einer Mischung aus Flussdelta
und Lagune. Endlich, schon fast am Schluss unserer Reise, kommen die Velo's doch noch mal zum Einsatz: südlich von Vannes erkunden wir die verzweigten Arme des Golfe Du Morbihan, kommen an kleinen Fischerdörfchen vorbei, sehen die Villen der etwas Privilegierteren, ein Junge fischt in den Tümpeln, die die Ebbe zurückgelassen hat, nach Krabben (und hat schon mehrere grosse Exemplare erwischt), Segelboote dümpeln friedlich vor sich hin und wir können es gar nicht glauben, dass diese Reise schon fast zu Ende ist... |
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Um auf der
Rückfahrt nicht wieder auf der Autobahn fahren zu müssen und
etwas von der Landschaft zu sehen, gönnen wir uns drei komplette
Tage für die Heimreise. Wir rollen durch's Loiretal und schwelgen
in der Erinnerung an unsere Veloreise. Kaum zu glauben, dass wir das alles
mit dem Fahrrad "gemacht" haben: Vannes, Angers, Saumur, Azay
le Rideau und Rigny-Ussé... |
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