|
August 2001 - von Zürich ins Loiretal
Vive la France... |
![]() |
|
Zum Fotoalbum |
|
Jetzt ist er
da, der Sommerurlaub 2001. Wir wollen das Projekt "Von Oberviechtach bis
ans grosse Meer" weiterführen. Nach dem Ende der Vorjahrestour von
Oberviechtach bis nach Solothurn wollte ich eigentlich dieses Mal von
Solothurn aus weiter bis Genf und von dort aus über Lyon das Loiretal
erreichen, aber im Laufe der letzten Wochen und Monate war der Jura und
der Fluss Doubs so oft ein Gesprächsthema, dass wir die nördlichere Route,
also Zürich-Basel-Besancon-Nevers vorziehen. In Zürich
lege ich meine Arbeitsweg mit dem Velo zurück. Es hat sich immer mehr
eingebürgert, dass ich für diese hügeligen 6 Kilometer auf das Arrow Pacer
zurückgreife und das Utopia London immer öfter im Keller stehen bleibt.
Grund dafür ist der Unterschied im Steigungsverhalten: das Arrow
"klettert" einfach besser, es ist fast um die Hälfte leichter und das
macht die nicht ganz so komfortable Sitzposition wieder wett. Was wollen
wir diesmal anders machen? Wir (also hauptsächlich ich) versteifen uns
nicht mehr so sehr auf das Reise-Endziel. Nevers im Loiretal wäre eine
nette Endstation, aber diesmal soll der Weg das Ziel sein. Letztes Jahr
haben wir uns dabei beobachtet, wie wir die letzten Reisetage nur mehr
Strecke machen wollten um so weit wie möglich zu kommen - das Radeln war
keine Lust mehr sondern Last. Auf der jetzigen Reise wollen wir nach
jeweils drei Tagen einen Ruhetag einlegen. Diese Stärkung ist nötig denn nun gesellt sich ein hartnäckiger Begleiter hinzu: der Gegenwind, der Ungeliebte! Die nächsten Tage wird er uns nicht von der Seite weichen und manch stiller Fluch wird uns über die Lippen gleiten... Das Rheintal
bis Zurzach ist ganz lieblich anzusehen, obzwar dicht besiedelt, es gibt
auch hier schon Industrie- und Gewerbeanlagen, macht es uns im
Sonnenschein nach einem Regenguss jedenfalls einen freundlichen Eindruck.
Das Hotel bietet abends Live-Musik und "Dancing", was wir uns natürlich
nicht entgehen lassen. So sieht man uns später - zuerst als einzige Gäste
- in den Plüschsesseln der Tanzbar sitzen, einem Musik-Duo aus Polen oder
Tschechien lauschen und leider etwas zuviel Wein
trinken. Als ich den Schlauch wechsle brennt die Sonne schon ganz schön heiss vom Himmel. Es geht weiter. Von der anderen Rheinseite "dunkelt" der Schwarzwald herüber, die Städte Koblenz und Waldshut-Tiengen gleiten vorbei, ein Gartenlokal in Laufenburg lädt zu einer Mittagsrast ein. Später hat Margrit nochmals eine Reifenpanne. "Selber schuld", denke ich, als ich den Schlauch flicke, ich hätte ja auch auf die Idee kommen können und den Reifen auf eventuelle Stacheln, Dornen, etc. absuchen können. Tja, aus Fehlern wird man klug! Die
Streckenführung bietet bis jetzt keinen Grund zur Klage, im Weiteren aber
müssen wir ein paar Kilometer auf der Bundesstrasse zurücklegen - das
Rheintal wird enger und es wird schwieriger, eine velotaugliche Route zu
finden. Den letzten Abschnitt dieser Etappe legen wir auf Waldwegen
zurück, bis wir in Möhlin auf dem Campingplatz einchecken. Dort stellen
wir wieder mal fest wie verschieden doch das Thema "Radreisen"
interpretiert wird: neben uns übernachtet ein Ehepaar in den mittleren
Jahren, ebenfalls mit Rad und Zelt unterwegs. Die beiden fahren jeden Tag
um die 150 km und zwar auf mittleren bis grossen Strassen. Wohl
bekomm's... Eine Ruhige
war sie, diese erste Nacht im Zelt. Niemand hat gefroren, es war leise, es
hat nicht geregnet. Wenn einen das nicht freundlich stimmt! Auf einmal ist da der Grenzübergang. Keiner nimmt Notiz von uns, also radeln wir heraus aus der Schweiz und hinein in die EU - Vive la France! Am Rhein-Seitenkanal gibt es eine "piste cyclable", da haben wir doch schon eine gute Möglichkeit um einige Kilometer Distanz zwischen uns und der Stadt Basel zu bringen. Auf diesem Kanalweg - nicht der letzte auf unserer Reise - treffen wir eine havarierende Radfahrergruppe, denen ich mein Flickzeug leihe: schön, wenn man in Ruhe einen Apfel essen kann, während andere zur Abwechslung mal flicken... Nach Bartenstein verlassen wir den Kanalweg. Jetzt bin ich neugierig was die Strassenkategorisierung meiner Landkarten in Wirklichkeit bedeutet. Ich habe kleine weisse Strassen mit durchgezogener Linie und kleine weisse Strassen mit strichlierter Linie ausgewählt. Die mit der strichlierten Linie sind "nicht mehr betreute Strassen". So eine "Unbetreute" wartet an der nächsten Kreuzung auf uns: eine zugewachsene, gedachte Linie, in ihren besseren Zeiten wohl mal ein asphaltiertes Strässlein gewesen, jetzt so mit Gestrüpp überwuchert, dass an ein Befahren gar nicht zu denken ist. Wir wählen dann doch lieber die nächst-grössere Kategorie und nehmen dafür einen kleinen Umweg in Kauf. In einem kleinen, nett hergerichteten Dorf finden wir einen Geldautomat und sind damit endlich zahlungskräftig. Ganz beläufig machen wir eine wichtige Feststellung: In den Dörfern tut man sich schwer, Lebensmittel aufzutreiben. Supermärkte befinden sich nur mehr in den grösseren Orten. Wir sind in Frankreich, im Sundgau, genauer gesagt. Ein hügeliger Landstrich, im Süden vom Jura begrenzt, im Norden von den Vogesen. Weit im Osten die Höhenzüge des Schwarzwaldes hinter der Rheinebene und im Westen, ja, im Westen treibt der Wind die Regenwolken vor sich her. Er macht es uns nicht einfach, dieser Gegenwind! Gerade wenn man schon den ganzen Tag unterwegs ist, sinkt die Moral dann doch ein bisschen. Dabei ist es hier sehr schön! Irgendwie wilder, unberührter! Woran mag das liegen? Die Felder enden in wilden Hecken, abgestorbene Bäume "dürfen" hier stehen bleiben, Kühe und viele Pferde auf den Weiden, ein buntes Allerlei von Gräsern und Blumen am Wegesrand. Und die Alleen! Ab und zu schlägt das bekannte Klischee nämlich immer noch zu: eine kerzengerade, jedoch hügelige Strasse mit Alleebäumen, irgendwo in der Ferne ein 2 CV oder ein alter Mann auf dem Fahrrad mit dem Baguette quer auf dem Gepäckträger... Als wir uns
dem Etappenziel Altkirch nähern, fängt es nach längerer Pause wieder
stärker zu regnen an. Dummerweise müssen wir die letzten Kilometer auf
einer vielbefahrenen Strasse fahren, was natürlich zusätzliche Energie
kostet. Als wir uns die ansteigende Strasse nach Altkirch hinaufmühen,
scheint eine Hotelübernachtung erstrebenswert. Doch bevor wir noch ein
Hotelzimmer "auftun" sind wir auch schon am Campingplatz angelangt und da
der Regen aufhört und die Sonne schon wieder durch die Wolken blinzelt,
geben wir dem Zelt den Vorrang (zumal es natürlich auch kostengünstiger
ist: wir zahlen zu zweit im Durchschnitt 10 - 15 Schweizer Franken pro
Nacht). Wir lernen ein nettes Radlerpaar aus Freiburg kennen, das gerade
eine Woche Radltour durch den Jura hinter sich hat und genau wie wir auch
eher auf Genusstour sind. In der Nacht
hören wir die Regentropfen auf das Zeltdach prasseln, am Morgen sehen wir
blaue Flecken im Wolkenhimmel, so ist es recht. Wir kommen recht spät weg
an diesem Tag, vor allen Dingen weil wir im Ort noch eine grössere
Geldmenge umtauschen wollen. Erst um 10.45 rollen wir hinunter zur Route
Nationale, der wir leider noch einige Kilometer folgen müssen bevor wir
wieder in die stille Welt der Nebenstrassen eintauchen dürfen. So ein
Brummi schiebt schon eine gewaltige Luftmasse vor sich her und man muss
wirklich aufpassen, dass man nicht von der Strasse gepustet wird. Auf der
ganzen Reise werden wir aber nur ab und zu mal für ein paar Minuten mit
dem Schwerverkehr konfrontiert sein - zu meiner Überraschung stelle ich
nämlich bald fest, dass sich hier in Frankreich wunderbar radeln lässt! Es
existiert eine dichtes Netz an kleinen Nebenstrassen, die wenig befahren
sind und auf denen man gut voran kommt. Wir leider nicht. Und so zieht es uns recht schnell weiter, wobei wir dummerweise den Supermarkt im Ort keine Besuch abstatten. Wenigstens wissen wir jetzt, dass es eine Fernroute zu den Ozeanen gibt "vers la mer", mit kleinem blauen Schild gekennzeichnet. Wenn einem sowas Schönes wird beschert... Nun, wir folgen den Wegweisern und damit den Treidelwegen am Kanal entlang. In diesem Bereich gibt es sehr viele Schleusen und die Freizeitkapitäne müssen mit ihren Booten alle Nase lang warten bis die Schleusen den Wasserspiegel gehoben oder abgesenkt haben. Der heutige Tag scheint wirklich unserem Freund, dem Gegenwind gewidmet zu sein. Das Wetter ist als solches zwar recht schön und nicht zu warm, aber eben, der Wind. Der Kanalweg lässt sich gut befahren, wir winken den Bootsfahrern zu und grüssen die vielen Angler, aber allmählich macht sich der Hunger breit. Wir kommen durch einige Dörfer hindurch, aber nirgends finden wir ein Lebensmittelgeschäft oder eine Bar oder ein Restaurant. Beim Dorf "Bretagne" machen wir eine kleine Rast und vertilgen unsere letzten Proviantreste und ab da geht's ein klein wenig besser, obwohl wir heute, nach kaum einem Drittel der zu fahrenden Strecke, schon ziemlich ausgelaugt sind. Aber der nächste Campingplatz liegt eben erst in L'Isle sur le Doubs ... Es kommt dann aber doch (endlich) ein kleines Städtchen mit einer Bar, dann ein Supermarkt, es rollt sich wieder leichter dahin. Montbeliard, eine grössere Stadt, taucht auf und unsere blauen Schildchen "vers la mer" geleiten uns gut hindurch. Von Montbeliard sehen wir allerdings nur die Peugeot-Fabrikhallen. Anschliessend
warten noch gut 20 km Fahrt bei strahlend schönem Wetter auf uns, mal auf
der mässig befahrenen Landstrasse, mal auf Treidelpfaden am Kanal, bis wir
endlich den Campingplatz in L'Isle sur le Doubs erreichen.
Der gestrige Tag hat richtig gut getan. Heute steigen wir voll Freude auf's Velo und rollen in den blauen Morgen hinaus. Zuerst verfahren wir uns zwar gleich am Anfang und handeln uns ein paar zusätzliche Kilometer ein. Naja, man gönnt sich ja sonst nichts. Kurz danach sind wir wieder auf Strecke und werden heute den ganzen Tag durch wunderbares Gebiet fahren. Die erste Zeit können wir heute gut ausgebaute Kanalwege durch das enger werdende Flusstal fahren, links und rechts bewaldete Höhenzüge. Erstaunlich viele Angler sitzen am Ufer - Frankreich scheint das Land der Petri-Jünger zu sein. Irgendwann nehmen wir eine kleine Strasse, die uns einen Hügel hinaufführt und in eine Juralandschaft hinein. Wir machen an einer Strassenkreuzung Brotzeit und geniessen die Stimmung. Im Weiteren gleiten wir wieder hinab ins Flusstal, ein nettes kleines Städtchen, Clerval, lädt mit einer Bar am Flussufer zum Verweilen ein. Die Wirtin serviert uns Cafe au lait und Pan au chocolat - was ist es doch schön in Frankreich zu sein! Wir sind wieder am Flussufer unterwegs, der Ausbaugrad der Treidelwege ist unterschiedlich - Graspisten, Schotter- und Sandwege, Asphalt - für jeden ist was dabei. Aber in
diesem Abschnitt gibt es keine andere Möglichkeit, wenn sich man nicht die
grosse Landstrasse am anderen Flussufer antun will. Wir kommen langsam
vorwärts, denn auch heute ist es windig. Und so geht uns auch an diesem
Tag relativ schnell die Puste aus, als endlich das Städtchen Baume les
Dames nach einer Flussbiegung vor uns auftaucht. Dort gibt es einen "SUPER
U", einen Supermarkt. Die Altstadt zieht sich den Hügel hinauf, den Geruch
von Speis und Trank schon im Mund klettern wir die Steigung hinan... Oben
finden wir ein nettes Örtchen vor, eine kleine Bar auch (wobei der Wirt
erst mal Brot holen muss um uns ein Sandwich zubereiten zu können). Die
Pause regeneriert uns wieder, die Lebensgeister kehren zurück. Im
Supermarkt wird Proviant erstanden. Als wir wieder über die Doubsbrücke
rollen sehen wir zu unserer Linken einen Pferdemarkt. Dummerweise fahren
wir weiter. Mit unseren
geplanten kurzen Etappen scheint es auf dieser Reise nichts zu werden, die
Campingplätze folgen hier entweder zu kurz aufeinander oder liegen dann
doch über 70 km auseinander. Also weiter. Jetzt finden wir eine kleine
asphaltierte Nebenstrasse vor, die uns im Tal bis Besançon führen wird.
Dieser Flussabschnitt erinnert sehr an die obere Donau: weiterhin dicht
bewaldete Hügel mit nackten Felsformationen, der Fluss zieht enge
Schleifen. So geht das bis kurz vor Besançon, wo wir im Vorort Chalezeule
unser Zelt aufschlagen. Wieder ein
strahlend blauer Morgen, nicht ein einziges Wölkchen zeigt sich am
Himmel. Mit einem anderen Weg haben wir mehr Glück: zwar ist auch dieses Strässlein bald zu Ende, doch führt ein Saumpfad durch den Wald hinunter ans Flussufer. Zwei Waldarbeiter denken sich wohl ihren Teil, als wir zwei Radler unsere vollbepackten Räder den steilen, engen, überwucherten Pfad abwärts tragen, schieben, stossen (warum einfach, wenn's auch umständlich...), aber nach 200 Metern sind wir unten, wo eine asphaltierte Strasse auf uns wartet. Eigentlich wollte ich ja brav am Doubs-Ufer bleiben, um mich nur ja nicht in dem Strassengewirr Besançons zu verirren, es zieht mich jedoch irgendwie in die Altstadt und es lohnt sich! Die Stadt ist wirklich sehenswert. Neben all der mittelalterlichen Pracht thront auch noch eine riesige Zitadelle über der Stadt. Wir beschliessen, später mal ein verlängertes Wochenende hier zu verbringen. Jedenfalls kommen wir problemlos durch und ehe wir's uns versehen befinden wir uns schon am anderen Ende der Stadt. Das Flusstal
weitet sich jetzt allmählich, die Hügel treten zurück, kleine Dörfer,
Bauernhöfe säumen unseren Weg. Wir wenden uns vom Fluss ab, denn das
Strässlein dem wir folgen, verläuft parallel dazu, aber seitlich versetzt,
über die leicht wellige Landschaft. In einer dieser kleinen Ansiedlungen
finden wir völlig unerwarteterweise ein Restaurant. Man möcht's nicht
glauben! Wunderbar gestärkt nähern wir uns unserem Etappenziel Dôle, ein
paar happige Steigungen wollen jedoch noch kurz vorher bewältigt werden.
Dôle wartet mit einem interessanten Stadtpanorama auf - über
Altstadtdächern erhebt sich der Turm einer gotischen Kathedrale - der
Campingplatz liegt unten am Fluss neben Tennisplätzen, Sportanlagen und
zudem gastiert hier ein Zirkus. Eigentlich wollten wir Dôle besichtigen,
sind jedoch so müde dass wir am Campingplatz-Kiosk hängen bleiben, wo wir
ein Grill-Händl mit Pommes verzehren (und das in Frankreich). Wann habe
ich so was zuletzt gegessen? Muss ja Jahre her sein. ... was uns
eine unruhige Nacht beschert. Auch der wolkenlos blaue Morgenhimmel kann
nichts daran ändern, dass wir heute unausgeschlafen unsere Bahnen ziehen.
Immerhin - kein Gegenwind heute! Wie mir scheinen will sind wir auch
gestern relativ verschont geblieben. Die Landschaft westlich von Dôle ist
flach, platt, eben. Felder soweit das Auge reicht. Associationen an das
Donauried werden wach. Heute ist ein guter Velotag: ich kann das erste Mal
auf dieser Reise für längere Zeit auf das grosse Kettenblatt schalten.
Wir sagen dem
Fluss "A dieu", eine neue Landschaft nimmt uns nun gefangen: die "Plaine
de Bresse", eine sanftwellige Hochebene im Gebiet zwischen dem Jura und
der Saône. Wir radeln entlang einer Hügelkette nach Südwesten und gleich einer Perlenkette reiht sich eine nette Ansiedlung an die andere. Heute ist der heisseste Tag des Jahres, der Asphalt wirft Blasen, die beim Drüberfahren mit einem hellen Geräusch aufplatzen. Aber der Fahrtwind kühlt trotzdem. Ich leite uns mal wieder in die falsche Richtung, wir fahren ein paar hundert Meter stetig bergauf, bis mir das etwas sonderbar vorkommt und wir umgekehren... Überall wirbt
man hier mit dem einheimischen Wein, oft gibt es Degustier-Stuben. Wo wird
denn hier Wein angebaut? Wir sehen keinen Weinberg. Das verwundert und
gibt natürlich Gesprächsstoff (nichtsdestotrotz schmeckt der Burgunder,
den wir uns abends gönnen, hervorragend). Die letzten Kilometer bis
Salornay sind recht anstrengend, der Campingplatz ist aber super: wir
schlagen unser Zelt direkt an einem Bach auf und haben neugierige Enten
als Nachbarn. In Salornay gibt's noch so richtige Tante Emma Läden, den
Bäcker, den Metzger, den Gemüsehändler. Ausserdem wird Boule gespielt. In
der Nähe befindet sich ein "Boulodrom" wo gerade heute anscheinend das
ganze Dorf einen Wettkampf ausficht. Dienstag,
14. August - von Salornay bis nach Digoin (63 km) Heute wird es genauso heiss wie gestern werden. Dabei steht uns heute eine "Bergetappe" bevor: nur mehr ein Hügelzug trennt uns noch vom Loiretal. Zum guten Glück gilt es diese paar steigungsreichen Kilometer gleich am Anfang zu bewältigen. Wir pedalen munter drauf los und kommen gut hinauf. Die Panoramablicke über die Landschaft mit den blauen Hügel und den einzelnen Gehöften entschädigen natürlich für den Aufstieg und den vergossenen Schweiss... Als wir um 11.00 in einem kleinen Landstädtchen Rast machen, ist das Schlimmste schon überstanden. Es folgt eine wunderbare Fahrt Hügel auf, Hügel ab auf kleinsten Strässchen. Mal sieht man uns am Wegesrand im Schatten eines Baumes Brotzeit machen, ein anderes Mal steht uns eine Kuh auf offener Strasse gegenüber. Ich weiss nicht, wer da mehr Respekt voreinander hat - die Kuh oder wir (in der letzten Zeit gab's in der Schweiz Schlagzeilen, weil Wanderer beim Überqueren von Viehweiden von Kühen angegriffen und verletzt wurden!), aber wir fahren dann einfach an ihr vorbei und nichts passiert. Kurz bevor wir die Loire-Ebene erreichen, dürfen wir noch eine kilometerlange, sanfte Abfahrt geniessen. Wenn einem soviel Schönes wird beschert... Noch ein paar
Kilometer am Kanal entlang schon sind wir auf der Einflugschneise nach
Paray le Mondial. Die nette Altstadt betrachten wir von der Terasse eines
Cafes aus. Wir stellen fest, dass sich die Landschaft schon wieder ändert:
es ist alles trockener hier, verbrannter. Die letzten Kilometer bis Digoin
verlaufen auf vielbefahrener Landstrasse, dafür geht es schnell
(Rückenwind!). Der heutige Campingplatz liegt direkt an der Loire. Leider
auch die Route Nationale - wir werden wegen dem Verkehrslärm (und auch
wegen der Hitze) wieder mal eine unruhige Nacht haben. Vorher aber
spazieren wir noch durch die Stadt, bewundern die Kanalbrücke, die
Platanenallee am Flussufer, die - auch hier sehenswerte - Altstadt,
besuchen die Kathedrale und freuen uns natürlich über die Loire, die hier
schon ein breites Bett ausgebildet hat, mit Sandbänken und
Altwassern. Ich möchte hier die überaus freundlichen Campingplatz-Betreiber erwähnen, die uns am Morgen ein Frühstück richten. Natürlich fängt auch dieser Tag heiss an. Die ersten 25 km bis zum Ort Diou müssen wir wieder Treidelpfade benutzen, und zwar am flussbegleitenden Kanal, nicht an der Loire selber. Diese Wege sind verschieden ausgebaut - von der Graspiste bis Asphaltstrasse ist da alles drin. Charakteristisch ist das in regelmässigen Abständen Wiederkehren der Schleusen. Nach jedem Kilometer wird der Kanal durch eine Schleuse reguliert, d. h. der Pfad steigt ein paar Meter an und nach der Schleuse muss man erstmal schauen, auf welcher Kanalseite der Weg besser zu befahren ist. Es ist nicht ganz so angenehm zu befahren, einmal kehren wir auch nach einigen Metern wieder um und wechseln ans andere Ufer, aber es ist immer noch tausendmal besser als sich dem Schwerverkehr auf der Route Nationale auszusetzen. Diou ist bald erreicht, wir wechseln auf die D15, eine Nebenstrasse, die fast kerzengerade, wie mit dem Lineal gezogen, nach Norden führt. Strassendörfer, Agrarland, man bewässert hier künstlich. Es ist eine uninteressante Gegend. Das Bild ändert sich als wir ins Departement Nivernais wechseln: es gibt wieder Viehweiden und Hecken. Der Wind treibt uns heute von hinten an deswegen machen wir so richtig Kilometer. Ich fahre konstant mit dem grossen Kettenblatt, wir kommen gut und schnell vorwärts - wenigstens eine Freude an einem ansonsten langweiligen Fahrtag. Wir treffen
ziemlich früh in Decize ein, auch hier befindet sich der Campingplatz
direkt am Loire-Ufer. Dort gibt es leider weder Kiosk noch Restaurant, die
vier Sterne, mit denen der Campingplatz ausgezeichnet ist, beziehen sich
wohl auf die moderne Einfahrt. Also brechen wir zum Abendessen nochmals
auf. Eine Gewitterfront ist ziemlich schnell aufgetaucht und während wir
unser Zelt besser abspannen, greifen die Sturmböen schon in die Wipfel der
grossen Alleebäume und richten dort allerhand Unheil an. Zum guten Glück
zieht das Unwetter seitlich an uns vorbei, es beschert uns jedoch
reichlich Regen mit der ersehnten Abkühlung. Wir liegen im Zelt wo sich
bei offener Tür das Gewitter schön betrachten
lässt. Wir verpacken heute morgen natürlich ein nasses Zelt. Es regnet noch als wir zu unserer letzten Etappe nach Nevers aufbrechen. Die Landschaft ist saftig und üppig und es ist relativ warm. So kurbeln wir durch den langsam nachlassenden Regen nach Norden. Wir folgen weiterhin der gestrigen Landstrasse, es ist weiterhin schnurgerade und flach, vielleicht etwas mehr Verkehr als am Vortag. Die Wolken ziehen tief, ab und zu kommt die Sonne kurz durch. Je mehr wir uns dem Endpunkt unserer Reise nähern, desto trauriger werden wir. Wir sind uns schon lange darüber einig, dass diese Reise unsere schönste Veloreise war. Die Etappen waren
zwar etwas länger als geplant und 10 km weniger pro Tag hätte auch
nicht geschadet, aber ansonsten war es wunderbar. Einzig mit der Ernährung
hatten wir diesmal Versorgungsprobleme: das französische Brot - so gut es
auch schmeckt - hat einfach zu wenig Kohlehydrate. Nach kurzer Zeit haben wir zwei Tickets nach Zürich in der Hand, spottbillig: ca. 100 Franken pro Person, Velos reisen umsonst. Der Wermutstropfen: wir können nur Regionalzüge benutzen, das bedeutet 6 mal umsteigen (Nevers-Dijon-Besançon-Belfort-Mulhouse-Basel-Zürich) und müssen am nächsten Morgen um 5.45 abfahren. Gegenüber auf der anderen Seite des Bahnhofsplatzes finden wir gleich ein Hotelzimmer zu ebenfalls günstigen Preisen - in Ermangelung eines Abstellraumes "dürfen" wir unsere Velos in unser Zimmer im dritten Stock mitnehmen (natürlich ohne Lift). Auf einmal
ist alles erledigt, einer Siesta steht nichts mehr im Wege. Später sitzen
wir nach der Stadtbesichtigung unten an der Loire und schauen nach Westen.
Dort ist irgendwo der Atlantik. Aber das Meer kann man beim besten Willen
noch nicht riechen, es sind immer noch mehrere hundert Kilometer bis
dorthin... Zu völlig untypischer Zeit klingelt heute der Wecker und reisst uns aus dem Schlaf. Heute ist Arbeit angesagt: Velo und Gepäck treppauf, treppab schleppen, Bahnsteige wechseln, Velos verladen. Im Grossen und Ganzen verläuft die Rückreise problemlos, wir haben genug Zeit zum Wechseln der Züge - das Einzige was nervt ist die Wartezeit auf die Anschlusszüge - die französischen Bahnbeamten sind sehr nett und freundlich, wobei Radreisende wirklich nicht zum alltäglichen Erscheinungsbild auf französischen Bahnhöfen gehören, jedenfalls werden wir öfter mal ungläubig angestarrt...
|
| Fenster schliessen ¦ zur Homepage |
|
|