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Die Tage
werden wieder länger, die Temperaturen steigen langsam, was liegt also
näher als die Fahrradsaison gleich richtig zünftig mit einer Mehrtagestour
einzuläuten? Wir nehmen uns das Osterwochenende vor und weil wir nicht
weit anreisen wollen, bleiben wir in der Gegend und reservieren wir uns
für zwei Nächte ein Hotelzimmer in Stein am Rhein.
Karsamstag, 3. April 1999 - Rafz bis Stein am
Rhein
Von Zürich aus nehmen wir die S-Bahn bis Rafz. Wieder mal
meint es das Wetter gut mit uns, die Frühlingssonne heizt das Land schon
auf. In Oerlikon, wo wir die S-Bahn besteigen, sehen wir am
gegenüberliegenden Bahnsteig die nostalgischen Waggons des
Orient-Expresses stehen, von einer Dampflok angetrieben. Als wir in Rafz
die Räder ausladen und Richtung Schaffhausen starten, sehen wir diesen Zug
am Horizont dahinstampfen, eine lange, weiße Dampffahne hinter sich
herziehend. Natürlich kennen wir die heutige Strecke schon wie unsere
Westentasche, aber im milden Frühlingslicht, mit der Verheißung des
kommenden Sommers in der Luft, bekommt alles natürlich ein anderes
Gesicht. In Diessenhofen nutzen wir die Gunst der Stunde und kehren im
Biergarten ein. Gut gelaunt lassen wir uns das erste Eis dieses Jahres
schmecken, während Unmengen von Radlern, Motorradfahrern und
Spaziergängern mit uns diesen Frühlingstag genießen. Etwas später trudeln
wir dann in Stein am Rhein ein, wo wir im Hotel Schifflände ein schönes
Zimmer direkt zum Rhein hinaus bewohnen. Abends reisen die Reisegruppen
und Bustouristen, die die Stadt tagsüber bevölkern, wieder ab, weswegen
wir einen ruhigen Sonnenuntergang erleben dürfen.
Ostersonntag, 4. April 1999 - Um den Schiener
Berg
Heute sieht es aber recht ungemütlich aus: es regnet so
leise vor sich hin und ist wieder kälter geworden. Schlagartig wird mir
bewußt, daß es ja immer noch sehr früh im Jahr ist, der gestrige Tag nur
ein Vorbote des Sommers war! Wir lassen uns also Zeit mit dem
Frühstück, überlegen uns ein Alternativ-Programm. Eingehüllt in unsere
Regenklamotten spazieren wir zur Burg hinauf. Das Bergaufwandern bringt
uns zum Schwitzen, zudem hört es auf zu regnen, weswegen wir
beim Zurückkehren dann doch eine Radtour ins Auge fassen. Also rein in
die Pedale! Um den Schiener Berg soll es gehen, eine Rundtour mit
angenehmen 40 km Länge. Zuerst nach Norden in Richtung Singen. Trotz der
dunklen, tiefziehenden Wolken bleibt es weitgehend trocken, von vereinzelt
fallenden Regentropfen mal abgesehen. Als wir nach ein paar Kilometern
nach Osten abbiegen, haben wir die Vulkanlandschaft mit dem Hohentwiel
links von uns. Recht urtümlich stellt sich das dar, besonders mit den
Regenwolken. (Ich setze diesen Landstrich auf meine persönliche Hitliste
der noch zu beradelnden Landschaften)
Nach
Durchqueren eines Schilfgebietes erreichen wir bald Radolfszell, nicht
ohne uns zuvor mit dem zugenommenen Seitenwind auseinandergesetzt zu
haben. In Radolfszell spitzt manchmal die Sonne durch die Wolken, viel
nutzt ihr das aber nicht, denn Wind und Wolken sind heute wirklich
stärker! In Radolfszell warten natürlich Kaffee und Kuchen, wie könnte es
auch anders sein! Immerhin ist das Wetter so stabil, daß man vor unserem
Café Tische und Stühle im Freien aufstellt. Wir jedoch wärmen uns im
Innenraum auf. Wieder warm und satt geworden,machen wir uns auf den Weg um
den Untersee nach Stein am Rhein zurück. Das Wasser des Sees ist heute
milchig hellbraun, der Wind peitscht es auf, was aber die Schwäne nicht zu
stören scheint, die zum Futterbetteln kommen, als wir am Ufer kurz
anhalten.
Abends in
Stein am Rhein unser übliches Programm: Spazierengehen inkl.
Sonnenuntergang (ja, sie kommt heute nochmal raus, die Sonne), Abendessen
im Hotel.
Ostermontag, 5. April - Stein am Rhein bis
Winterthur
Heute ist leider schon der Tag der Rückreise,
immerhin hat sich das Wetter wieder gebessert. Deswegen lacht uns die
Sonne ins Gesicht, als wir nach dem Frühstück über die Rheinbrücke radeln.
Wir wollen nach Winterthur fahren, um mal einen anderen Weg zu erkunden.
Das bedeutet in diesem Falle, daß wir uns durch hügeliges Land bewegen
werden. Wir kommen auf ruhigen Strassen an einer Seeplatte vorbei, nehmen
unseren Kaffee in der Kartause Ickingen ein und sind schon auf der
Zielgeraden nach Winterthur, als mir schon wieder eine Speiche im
Hinterrad bricht. Das ist jetzt aber wirklich ärgerlich! Ich bin
wirklich ratlos: wir haben schließlich kaum Gepäck dabei, von einer großen
Belastung des Rades kann also keine Rede sein. Die letzten Kilometer bis
zum Winterthurer Bahnhof sind bald bewältigt, wir nehmen die S-Bahn zurück
nach Zürich und sind am Spät-nachmittag wieder zu Hause.
Tags darauf
bringe ich das Fahrrad in die Werkstatt, um das Hinterrad komplett neu
einspeichen zu lassen. Der Mechaniker würde mir am liebsten zu einem neuen
Laufrad raten, meint jedoch, daß sich das bei diesem Velo wohl nicht
rentieren würde... Eine ähnliche Bemerkung habe ich doch schon mal gehört!
(diesmal bin ich aber keineswegs beleidigt). Jedenfalls entschließe ich
mich nun, das blaue Schauff seiner eigentlichen Bestimmung als Cityrad
zuzuführen und ihm in Zukunft Radreisen mit Gepäck zu
ersparen |