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Juni 1995 - von München ins Markgräfler Land
die Hitzeschlacht... |
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Samstag
- München Pasing bis Landsberg a. Lech Es wird der Jahrhundertsommer werden, fast 40 Grad im Schatten mit Sonnenschein bis zum Abwinken und schon auf den ersten Kilometern fangen wir gewaltig zu schwitzen an. Bis Landsberg geht es nicht etwa nur eben dahin, oh nein, es wollen Hügel bewältigt werden, ein paar mal gibt es schlechte Wegstrecken und schließlich zwingen uns auch noch Kanalisationsarbeiten in einem Dorf zu weiträumiger Umfahrung. Zufrieden und glücklich, wieder unterwegs zu sein, erreichen wir abends den Campingplatz und spulen unser Abendprogramm ab: kochen, abwaschen, reden, lesen, schreiben. Ich will im Freien schlafen und überlasse meinem Mitreisenden großzügig das Zelt zur alleinigen Verfügung. Nach der Tageshitze genieße ich die kühle Nachtluft, betrachte mir das Sternenzelt und wache am anderen Morgen zerstochen auf: Bei aller Begeisterung für’s Schlafen im Freien habe ich nicht an Stechmücken und ähnliche Plagegeister gedacht.
Der heutige
Tag ist anstrengend und lang, wir sind froh, als irgendwann das Ortschild
von Illertissen auftaucht. Der Campingplatz nimmt uns auf, ich schlafe
wieder im Freien, diesmal ohne von Mücken geplagt zu werden. Die Hitze brütet über dem Land, so radeln wir stoisch dahin. Die Gegend kenne ich zwar schon vom vorigen Jahr, aber heute sieht alles anders aus. Immer wieder machen wir unsere T-Shirts in der Donau naß, einmal springt Martin sogar in den Fluß. Nach schweißtreibender Fahrt landen wir in Sigmaringen auf einem schönen Campingplatz,der direkt an der Donau liegt. Ich schlafe wie üblich im Freien und betrachte mir wieder den Sternenhimmel.
Heute bekomme
ich Gelegenheit, die landschaftlich traumhafte Passage zwischen Fridingen
und Sigmaringen zu genießen. Letztes Jahr war es ja so überlaufen, daß
wir mehr mit dem Ausflugsverkehr als mit der Landschaft beschäftigt waren.
Heute nun ist der ideale Tag für diese Route: Morgensonne und kaum Touristen.
Was tun, mitten
am Nachmittag schon am Etappenziel? Morgen wollten wir mit dem Zug nach
Freiburg über den Schwarzwald setzen, doch als wir jetzt mal einfach so
zum Bahnhof fahren, sehen wir einen Zug nach Titisee/Neustadt bereitstehen.
Dann fahren wir eben heute noch hinüber! Der Bummelzug nimmt uns mit bis
Titisee, wo wir umsteigen müssen. Dort hat der Bahnbeamte entweder Tomaten
auf den Augen oder er mag keine Fahrradfahrer, die ihr vollbepacktes Vehikel
mitnehmen wollen: als wir in Windeseile und hektisch die Velos einladen,
schließt der Bahnbeamte die Tür, als ich gerade einlade und klemmt mich
ein. Als ich ihn dann wütend darauf anspreche, zuckt er nur mit den Schultern.
Ich beruhige mich wieder und wir kommen um 18.00 in Freiburg an. Um vom
Es funktioniert,
wir sind unten! 40 km sind es noch bis Mauchen und bald wird klar, daß
wir die Distanz heute noch bewältigen werden, obwohl wir schon 100 km
auf dem Was an diesem
Tag noch folgt, ist wie eine Vergeudung von Rohstoffen: 40 km sehenswerter
Landschaft gäbe es zu genießen - im Rheintal entlang nach Süden, mit dem
Schwarzwald zur Linken und der untergehenden Sonne zur Rechten. Die beiden
ungeduldigen Martins strampeln aber nur mehr mechanisch und todmüde diese
letzten Stunden vor sich hin, von einem lächerlichen Ehrgeiz getrieben...
Nicht viel Zeit zum Fahrradfahren bleibt in diesem Sommer 1996! Wohl unternehme ich eine handvoll Tagestouren, zumeist an der Isar entlang, die nur 100 m von meiner Wohnung entfernt fließt. Nach Süden bis Wolfratshausen, nach Norden bis Freising oder zum Ismaninger Speichersee, das sind jetzt meine Hausstrecken! Oder aber nur nach Feierabend bis zum Oberföhringer Wehr und durch den Englischen Garten wieder zurück nach Hause. So geht dieses Jahr vorbei, ohne daß sich meine Reisewünsche erfüllen. Durch die Beziehung zu Margrit hat sich ein anderer Lebensrhythmus ergeben: ich wohne nun alleine und fahre jedes zweite Wochenende nach Zürich. Langsam erhole ich mich wieder, mache es mir in meiner neuen Lebensituation gemütlich, schon drängen sich mir klammheimlich Bilder und Gedanken auf: wie schaut’s denn nun mit dem Fahrradfahren aus? In München? In der Schweiz? Da brauche ich ja ein zweites Fahrrad! Also, den Silberpfeil wieder flott machen und mit nach Zürich nehmen? Oder das blaue Schauff? Während ich so herumgrübele und die Ideen von einer Gehirnseite in die nächste wälze, fällt mir jedesmal beim Spazierengehen ein Fahrrad in einem Fahrradgeschäft auf. Wochenlang drücke ich mir die Nase am Schaufenster platt, bis ich mich unversehens im Laden wiederfinde, mich nach dem Preis erkundige und schon im Sattel sitze und im Februar 1997 bei Eiseskälte ein Probefahrt mache. Ein “Hybridbike”
habe ich mir da ausgesucht, also eine Mischung aus Rennrad und Mountainbike,
ohne Beleuchtung, Schutzbleche und Gepäckträger, in elegantem metallic-grün
von der Firma Villiger-Arrow, Typ “Pacer”... Jedenfalls
wird das Arrow jetzt zu meinem Münchner Rad, während das blaue Schauff
zu Ostern mit dem Zug nach Zürich verfrachtet wird. |
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