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Pfingsten 1994 - Donauradweg von Donaueschingen bis
Regensburg
Die Einstiegsdroge... |
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gibt's den Bericht als PDF-File (52 KB) zum Download Ich kann es mir nicht so recht vorstellen. Jedenfalls muß es sehr schön gewesen sein, ich sehe das Leuchten in den Augen und die Begeisterung beim Erzählen. Für den kommenden Sommer wäre wieder was geplant, vielleicht die Donau in die andere Richtung nach Ulm, und warum wir nicht mitfahren würden? Nun, Rita ist davon nicht so angetan, aber ich will es mir überlegen, sage später auch zu, will mir aber noch Kartenmaterial besorgen. In München angekommen, finde ich natürlich genügend Fahrradliteratur und erstehe einen schön bebilderten Reiseführer, der mich nach begeistertem Durchlesen von der Durchführbarkeit des angedachten Projekts überzeugt. Nun bin ich 32-jähriger (im Moment noch) unsportlicher Mensch endlich beruhigt und beginne mich auf die Unternehmung zu freuen. Pfingsten und die Woche danach werden als Reisetermin festgelegt und ich finde mich schon die Woche vorher in Oberviechtach ein, um noch für mich alleine ein paar Touren zu unternehmen. Irgendwann erstehe ich auch noch eine Dreifach-Satteltasche bei Eduscho (oder war’s Tchibo?). 30,-- DM hat die wohl gekostet und ist umständlich mit mehreren Riemen am Gepäckträger zu installieren (das bedeutet: gute 5-10 Minuten Auf- und Abrüstzeit und die Finger voll Kettenfett, wie sich später herausstellt). Außerdem bringe ich noch einen Rucksack mit den Malutensilien mit, den ich mir während der Tour umzuschnallen gedenke. So
treffe ich also zuhause ein. Das Wetter hält sich leidlich, ich fahre an
ein paar Tagen in der Wir sind schon müde geworden, als ein Gewitter am Horizont uns zu
denken gibt. Wir erreichen Oberviechtach aber gerade noch rechtzeitig und
kehren noch ins Café Deyerl ein, um uns zu laben und zu erfrischen... Etwa
60 km durch hügeliges Land sind bei dieser meiner ersten Tagestour
zusammengekommen, ich bin zugegebenermaßen recht müde, aber stolz
auf Es
hat sich also erwiesen, daß wir gut miteinander unterwegs sein können,
deswegen warten wir voll Vorfreude auf den Samstagmorgen. Den Fahrrädern
wird noch mal gut zugeredet! Pfingstsamstag - Anreise nach Donaueschingen Jetzt geht sie also los, die große Sause... am Morgen steht der Paul, ein Freund der Familie, mit Auto und Anhänger vor unserem Haus und gemeinsam schaffen wir es, die drei Räder zu verstauen. Das Gepäck hat auch noch Platz und schon sind wir unterwegs nach Regensburg. Am
Hauptbahnhof lädt uns Paul ab, wünscht uns mit einem skeptischen
Gesichtsausdruck Donaueschingen ist irgendwann erreicht, die Räder werden
ausgeladen, Gepäck montiert
Mir ist, als ob ich in der Nacht Regen hören würde, der auf’s Dach
und an die Scheiben Die Sonne schafft es jedoch, die Wolken zu vertreiben, während wir noch beim Frühstück sitzen. Jetzt ist es also soweit! Gepäck montiert, Rucksack auf die Schulter geschnallt und langsam rollen wir zurück nach Donaueschingen, wo wir auch gleich den ersten Wegweisern begegnen und auf ruhigen Wegen aus der Stadt geleitet werden. Als ich nach ein paar Kilometern zurückblicke - die Stadt ist hinter einem Hügel verschwunden, dafür sehe ich aber die Ausläufer des Schwarzwaldes am Horizont - fühle ich mich wie ein Zigeuner, oder, treffender noch, wie ein Zugvogel, der die ganze weite Welt vor sich hat. Bald drückt mich der Rucksack, darum schnalle ich ihn oben auf die Packtaschen. Die Donau ist vorerst nur ein kleines Rinnsal, noch vermutet niemand, daß sich dieser unscheinbare Bach einmal zu einem Gewässer mit großer Bedeutung sowohl in wirtschaftlicher, politischer als auch poetischer Hinsicht mausern wird. Links baut sich nun allmählich ein Hügel auf, der immer steiler wird und von einem Schloß oder großem Gutshof gekrönt wird: Wartenberg! Die Orte Gutmadingen, Geisingen und Immendingen bleiben hinter uns, einmal führt der Weg über eine alte Holzbrücke, wir nähern uns Möhringen, wo man uns die vielgerühmten Donauversickerungen versprochen hat. Das Tal ist inzwischen enger geworden und die bewaldeten Höhenrücken lassen dem kleinen Flüßchen kaum Platz und zwingen es zu weiten Schleifen und Bögen. Da sich anscheinend zu Pfingsten immer noch die Schneeschmelze im Schwarzwald bemerkbar macht, ist von den Versickerungsstellen nicht viel zu sehen, im Gegenteil: oft steht der Radweg unter Wasser! Zuerst sind es nur Pfützen, man kommt noch mit Anlauf und hochgereckten Füssen durch, aber dann kommt eine Stelle, die auch dafür zu tief ist. Einige Radler halten dort, wundern oder ärgern sich und beratschlagen, jedoch kommt man zu keinem anderen Ergebnis, als die parallel verlaufende Autostraße zu benutzen. Zum guten Glück ist der Radweg nach ein paar hundert Meter wieder gut befahrbar und wir rollen aufgeräumt und guter Laune auf einem schattigen Weg nach Tuttlingen hinein. Dort passiert beinahe ein Unfall, weil mich ein schneller Radler überholt, der lautlos von hinten heranrast und gerade noch so an mir vorbeikommt. Mir entlockt es ein Schimpfwort und ich wettere über rücksichtlose Mountainbiker im Allgemeinen und über diesen Kerl im Besonderen. Das ist jedoch bald vergessen, als wir Tuttlingen an einem Radweg
neben der Hauptstraße Aber noch ist es nicht soweit! Wir erreichen Fridingen und damit
das Tor zum schönsten Teil der oberen Donau, einem engen Tal mit nackten
Kalksteinfelsen, Burgen und Wäldern, das sich Als wir bei Kloster Beuron eine Rast einlegen, nehme ich mir vor,
diese Gegend mal an einem Werktag zu befahren. Langsam wird es Zeit, eine
Unterkunft zu suchen, denn der Nachmittag ist fortgeschritten, wir sind
müde und ein wenig grantig. In Hausen im Tal finden wir ein Privatzimmer
im Dachgeschoß eines kleinen Anwesens - 30 DM inkl.Frühstück pro Person -
im Garten tummelt sich ein Reh und allerhand sonstiges Kleingetier
bevölkert das Grundstück. Wir beschließen den Abend mit einem Nachtessen
in der Dorfwirtschaft und einem kleinen Spaziergang, der nach den 90 km im
Sattel ganz gut tut. Pfingstmontag - Hausen im Tal bis Dettingen Am
Morgen schaut es trübe aus: in der Nacht hat es wieder geregnet und die
Wolken hängen Wieder unterwegs folgt eine landschaftlich eher uninteressante Gegend, das Tal ist recht breit geworden, die bewaldeten Hügel sind seitlich zurückgewichen. In der Ferne sieht man einen markanten Berg, den Bussen, dem wir immer näher kommen. Die Wolken ziehen tief, die Stimmung ist jedoch wieder im Lot, zudem treibt uns der Rückenwind voran. Der Ausdruck von den “geschenkten Kilometern” wird hier geprägt, denn wir scheinen auf diesen asphaltierten Wirtschaftswegen wie von Zauberhand getrieben dahinzufliegen! Später müssen wir wegen des Hochwassers nochmals eine Umleitung fahren. Dann hat die Ebene ein Ende, es wollen noch ein paar Höhenmeter bewältigt werden ehe wir uns langsam auf Zimmersuche begeben. Untermarchtal, Munderkingen oder Rottenacker kämen in Frage, aber erst in Dettingen finden wir eine uns genehme Bleibe. Bevor wir jedoch ausspannen können, fordert mein Rad nochmal Aufmerksamkeit: der Lenkervorbau ist locker geworden und ich kann kaum lenken, bzw. es lenkt von selbst wie es will, denn die Verbindung von Gabel zu Vorbau ist lose.. Das Werkzeug das wir dabeihaben greift nicht, so daß ich wohl oder übel eine Werkstatt aufsuchen muß.
Wie das halt so ist: Fahrräder reparieren sich nicht von selbst,
schon gar nicht über Nacht! Ich verlasse die Werkstatt etwas beleidigt und nehme meinen
Silberpfeil in Schutz. Hat mich Ulm liegt vor uns, wir witzeln “In Ulm und um Ulm und um Ulm
herulm...”. Nach schier endloser Zeit erreichen wir Leipheim, das wir uns mit
einem saftigen Anstieg erstmal verdienen müssen. Hier mag Vaters Rad nicht
mehr: auf dem holprigen Flußauenweg hat sich Mittwoch - Lauingen bis Stepperg Am
Morgen gibt es lange Gesichter, denn es regnet in Strömen! Nun, wir sind
dankbar für Als wir Donauwörth erreichen ist das Wetter schon kein Thema mehr. Im Zickzack führt man uns durch die schöne Altstadt, alles Barockfassaden, Bus-Touristen, Autoverkehr, aber - es gibt den obligatorischen Kaffee und Kuchen, der uns gut mundet. Wir fühlen uns in den trocken gewordenen Kleidern wieder wohl. Ich beschließe, mir eine Radfahrer-Sonnenbrille zu kaufen, um vielleicht das Tränen der Augen etwas eindämmen zu können. In einem Sportgeschäft erstehe ich ein sonderbares Teil, das meine Augenpartie hermetisch abriegelt. Aussehen tue ich damit wie ein Außerirdischer, aber es hilft ein wenig, weil es den Luftzug unterbindet. Mittag ist schon vorbei als wir das größte Abenteuer der Reise
erleben: Es ergibt sich in besagtem Moment, daß ich mit dem Vater etwas
voraus fahre, Mama hintendrein, als ich bei einer lang gestreckten Abfahrt
durch ein Dörfchen das Schild “Biergarten” mit Pfeil nach rechts erblicke.
Anhalten, den Vater zu einer Pause überreden und abbiegen ist eins!
Ebenso: Velo abstellen, Speisekarte überfliegen und Platz suchen. Doch
kaum hingesetzt stellt sich die Frage: wo bleibt denn Mama? Also muß einer
vorne an der Straße Ausschau halten. War sie so weit zurück oder ist sie
etwa schon vorbei? Sie kommt und kommt nicht! Uns rutscht das Herz in die
Hosentasche und wir fahren in verschiedene Richtungen davon, doch nirgends
findet sich eine Spur von ihr! Erst nach langer Zeit und mit der Mithilfe
anderer Radler finden wir sie wieder: Mama bekam unser spontanes Abbiegen
nicht mit, weil ein LKW kurz vor der Biergarteneinfahrt parkt und fuhr
deswegen unverzagt weiter...
Auch an diesem Tag ist der “Ausreißversuch” meiner Mutter noch ein
Thema. Nachdem wir Bis Neuburg an der Donau ist die Landschaft nicht spektakulär, in
Neuburg finden wir eine Weile lang den Weg nicht und bis Ingolstadt werden
wir auf dem Donaudamm entlang geleitet, was einigermaßen bequeme Fahrt,
jedoch keine Abwechslung verspricht - wir sind inzwischen anspruchsvoll
geworden! Ingolstadts Altstadt ist der geeignete Ort für eine ausgiebige
Pause mit anschließender Lagebesprechung. Für heute ist geplant, von der
Route abzuweichen und nach Appertshofen zu fahren, etwa 15 km von
Ingolstadt Richtung Norden, um Papa’s Bruder Fritz mit Familie zu
besuchen. Kaum verläßt man das Flußtal, ist man auch schon mit Steigungen
konfrontiert! Aber es ist noch früher
Früh am Morgen findet man uns zuerst auf der Rückfahrt nach
Ingolstadt, wobei es zwar Wenigstens hört es bald zu regnen auf! Bad Gögging lädt zum Verweilen ein. Mittlerweile Feuer und Flamme für diese Art des Reisens, komme ich mit einem Radler ins Gespräch, der alleine bis Wien und noch weiter möchte - beneidenswert! Bis Kloster Weltenburg folgt eine hügelige Strecke, einige
Höhenmeter wollen wieder mal Auf dem Schiff befinden sich zwei Senioren mit exklusiven Rädern
und Packtaschen In
Kelheim lugt wieder die Sonne durch die Wolken, als wir zuerst auf der
linken Donauseite Also machen wir miteinander die 15 km Umweg über Regensburg, obwohl
wir eigentlich schon überfällig für das Ende der Etappe sind. Letztendlich
bringen wir diese Strecke doch noch gemeinsam hinter uns, obwohl Mama
diesmal am Ende ihrer Reserven angelangt ist. Kein
Heute morgen schaue ich wehmütig auf die Donau zurück, die wir
jetzt leider verlassen müssen. Ich weiß noch, wie ich am ersten Tag über
ein Messingschild mit der Aufschrift “Budapest -1250 km” lächeln mußte,
daß kurz nach Donaueschingen im Boden eingelassen war: Naja, ein andermal vielleicht, jetzt liegt erstmal das Naabtal vor uns, bekanntes und unbekanntes Gebiet zugleich. Erstaunlich schön und ruhig ist das Flußtal, als wir uns nach Norden an Kallmünz heranpirschen. Kallmünz selbst ist ein Kleinod am Fuße steiler Kalksteinklippen. Langsam wird die Gegend heimatlich: Burglengenfeld, Schwandorf (wo wir auf einer Kirmes Bratwürste essen), Schwarzenfeld. In Schwarzenfeld verabschieden wir uns von der Naab und biegen rechts ins Schwarzachtal ab, wo es zu meinem Erstaunen einen ausgeschilderten “Schwarzachtalradweg” gibt. Bis Zangenstein läuft alles noch wie am Schnürchen, doch hier müssen wir wohl oder übel auf die Landstraße wechseln, da es bis Oberviechtach noch keinen Radweg gibt. Anstrengend wird dieser letzte Abschnitt in dreierlei Hinsicht: erstens gibt es seit Schwarzenfeld keine Einkehrmöglichkeit mehr, zweitens wird es jetzt recht hügelig und drittens sind wir nicht mehr ganz taufrisch an diesem letzten Reisetag. Besonders dem Vater macht dieses letzte Stück zu schaffen. Mich packt aber der Ehrgeiz und ich mobilisiere meine letzten Reserven und radle den beiden einfach voran. Als ich zuhause eintreffe, macht sich Ernüchterung breit: es ist
vorbei, leider! In
den nächsten Wochen plane und überlege ich herum, wie ich denn erneut in
den Genuß |
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